Der Klostergarten und seine Heilkräuter – Teil 1

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026 | Grundlagen, Heilkräuter

Im dritten und letzten Teil der kleinen Serie über den Klostergarten dreht sich nun alles um dessen pflanzliche Bewohner. Der Anbau der Pflanzen erfolgte nicht willkürlich, sondern folgte den Anforderungen des Klosterlebens. Maßgeblich war ihr konkreter Nutzen als:

  • Nahrungsmittel, 
  • Heilpflanze, 
  • für liturgische Zwecke oder 
  • zur Unterstützung des Alltags

Über lange Zeiträume bildete sich ein vergleichsweise stabiler Bestand bewährter Arten heraus, der in vielen Klöstern ähnliche Strukturen aufwies. Die Pflanzenwahl verdeutlicht die enge Verbindung von Gartenbau, Gesundheitspflege und klösterlicher Lebensführung. Eine kleine Auswahl soll hier nun im Folgenden vorgestellt werden. Ich beginne zunächst mit den Heil- und Nahrungspflanzen, im nächsten Blogbeitrag geht es dann weiter mit Nutz- und Symbolpflanzen für den klösterlichen Alltag.

Grundlagen für die Pflanzenauswahl

Welche Pflanzen konkret in den einzelnen Klöstern kultiviert wurden, lässt sich nur eingeschränkt rekonstruieren. Die heutigen Erkenntnisse beruhen auf wenigen gesicherten mittelalterlichen Quellen. Zwar gibt der St. Gallener Klosterplan (s.a. Teil 1) Hinweise auf die Struktur klösterlicher Anlagen, konkrete Pflanzennamen werden dort jedoch nicht genannt.

Glücklicherweise existieren mehrere bedeutende Schriftquellen, die Rückschlüsse auf die klösterliche Pflanzenwelt erlauben: 

Das Lorscher Arzneibuch (um 795) verbindet antikes Heilwissen mit christlicher Ethik. Es legitimiert die klösterliche Heilkunde als verantwortungsvolle und gottgewollte Praxis und gibt Einblick in den medizinischen Alltag der Zeit.

Das Capitulare de villis (um 800), die Landgüterverordnung Karls des Großen, listet jene Pflanzen und Bäume auf, die auf den kaiserlichen Gütern anzubauen waren, um die Versorgung des Hofes sicherzustellen. Es gilt als wichtige Referenz für die landwirtschaftliche Praxis dieser Zeit.

Eine dritte wichtige Quelle ist das Liber de cultura hortorum, besser bekannt als Hortulus (um 840), ist ein frühmittelalterliches Lehrgedicht über den Gartenbau. Verfasst wurde es von Walahfrid Strabo, Benediktinermönch im Kloster Reichenau. Es zählt zu den wichtigsten Texten über die mittelalterlichen, klösterliche Gartenkultur.

Heilkräuter – die Apotheke im Garten

Alant (Inula helenium) ist mit seiner imposanten Erscheinung und den großen gelben Blüten ein wichtiges Mittel bei Atemwegserkrankungen. Die Wurzel wurde als Hustenmittel und zur Stärkung der Lungen verwendet. Ein Alantwein war ein geschätztes Stärkungsmittel für Rekonvaleszenten.

Andorn (Marrubium vulgare) war das wichtigste Hustenmittel. Die bitter schmeckenden Blätter wurden zu Sirup verarbeitet, der bei Bronchitis und hartnäckigem Husten half. Andornbonbons waren eine Klosterspezialität, die bis heute hergestellt wird. Hildegard von Bingen empfahl sie noch, aber sie geriet im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit und gehört nun zu den vergessenen Heilpflanzen.

Beinwell (Symphytum officinale) rechtfertigte seinen Namen (Bein ist ein altes Wort für Knochen) durch seine knochenheilende Wirkung. Die fleischigen Wurzeln wurden zu Umschlägen verarbeitet, die bei Knochenbrüchen, Verstauchungen und Zerrungen aufgelegt wurden. Seine Inhaltsstoffe fördern die Regeneration von Gewebe; eine Anwendung bei offenen Wunden ist heute dagegen nicht mehr empfohlen.

Ringelblume (Calendula officinalis) leuchtete in sonnigem Orange und wurde als Symbol für die Beständigkeit gedeutet, da sie ihre Blüten nach der Sonne ausrichtet. Sie war und ist eines der wichtigsten Wundheilmittel. Ringelblumensalbe wurde in jedem Kloster hergestellt und ist bis heute ein geschätztes Naturheilmittel.

Salbei (Salvia officinalis) war bereits in der Antike als Heilpflanze bekannt. Sein Name leitet sich vom lateinischen salvare (heilen) ab. In der klösterlichen Medizin kam er unter anderem bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Verdauungsbeschwerden sowie gegen starkes Schwitzen zum Einsatz. Verwendet wurden meist getrocknete Blätter als Tee oder Tinktur. 

Baldrian (Valeriana officinalis) wurde in Klöstern unter dem Namen valeriana als Allheilmittel geschätzt. Er wurde insbesondere bei Magenbeschwerden, Gicht und zur Wundheilung eingesetzt und galt auch als Pestmittel. Seine beruhigende Wirkung dagegen wird erst seit dem 18. Jh. genutzt.

Kamille (Matricaria chamomilla) zählte zu den zentralen Heilpflanzen der Klostermedizin. Sie wurde innerlich bei Magen-Darm-Beschwerden und Fieber, äußerlich bei Entzündungen und Wunden angewendet. Die getrockneten Blüten standen in der Infirmerie ständig zur Verfügung.

Johanniskraut (Hypericum perforatum) wurde zur Zeit der Blüte um den Johannistag geerntet. Das aus den Blüten gewonnene Öl diente der Wundbehandlung und bei Hautkrankheiten. Innerlich setzte man die Pflanze bei seelischer Niedergeschlagenheit ein, in alten Büchern als Schwermut oder Melancholie bezeichnet.

Melisse (Melissa officinalis) mit ihrem zitronigen Duft galt als beruhigende und herzstärkende Pflanze. Sie wurde bei Unruhe, Angstzuständen und nervösen Herzbeschwerden eingesetzt. Melissengeist und Teezubereitungen waren weitverbreitet und als Allheilmittel geschätzt. Hildegard von Bingen nannte sie auch Herztrost.

Küchenkräuter – Geschmack und Gesundheit

Petersilie (Petroselinum crispum) wurde sowohl als Würzkraut als auch wegen ihrer harntreibenden Eigenschaften geschätzt und wurde bei Nieren- und Blasenleiden eingesetzt. Sie half, einfache Speisen geschmacklich aufzuwerten, insbesondere während der Fastenzeiten. Die Mönche kultivierten sowohl glatte als auch krause Sorten und säten mehrfach im Jahr nach, um stets frische Blätter zu haben.

Liebstöckel (Levisticum officinale) war wegen seines intensiven Aromas ein wichtiges Suppenkraut. Medizinisch nutzte man ihn bei Verdauungsbeschwerden und zur Förderung der Harnausscheidung. Ein bis zwei Pflanzen reichten aus, um eine ganze Gemeinschaft zu versorgen, da ihr Aroma sehr intensiv ist.

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) war eines der ersten frischen Grüns im Frühjahr und wurde nach dem langen Winter sehnsüchtig erwartet. Das wertvolle Küchenkraut mit seinen röhrenförmigen Blättern wurde häufig verzehrt. Die Mönche wussten, dass Schnittlauch appetitanregend und verdauungsfördernd wirkt.

Bohnenkraut (Satureja hortensis und montana) war der typische Begleiter aller Bohnengerichte. Es machte sie nicht nur schmackhafter, sondern auch bekömmlicher, indem es Blähungen verhinderte. Das einjährige Sommerbohnenkraut wurde für die frische Verwendung angebaut, während das mehrjährige Winterbohnenkraut einen festen Platz im Kräutergarten hatte. Aufgrund seines intensiven Geschmacks diente es als Pfefferersatz. Es wurde auch bei Husten und allg. Verdauungsbeschwerden angewandt.

Gemüsepflanzen – die Grundlage der Ernährung

Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris) war eines der wichtigsten Gemüse des Mittelalters, bevor ihn der Spinat verdrängte. Die großen Blätter waren nahrhaft und wuchsen zuverlässig. Man aß sowohl die Blätter als auch die fleischigen Stiele. Mangold war besonders wertvoll, weil er auch in schlechten Jahren noch Erträge lieferte. Er half bei Darmträgheit.

Kohl in verschiedenen Formen (Brassica sp.) gehörte zu den wichtigsten Gemüsepflanzen. Grünkohl, Weißkohl und Wirsing waren robust und lagerfähig. Sie sicherten die Vitaminversorgung im Winter. Aus Weißkohl wurde durch Fermentation Sauerkraut. Die Mönche wussten bereits aufgrund ihrer sorgfältigen Beobachtungen, dass Kohl Skorbut verhinderte.

Zwiebeln (Allium cepa) und Lauch (Allium porrum) waren unverzichtbare Würz- und Heilpflanzen zugleich. Sie galten als kräftigend und halfen u. a. bei Erkältungen. In der Fastenküche waren sie wiederum wichtig, da sie einfachen Gerichten Geschmack verliehen. Winterlauch, auch Porree genannt, war besonders geschätzt, da er frosthart war und bis ins Frühjahr geerntet werden konnte.

Schwarzer Rettich und weiteres Wurzelgemüse bildeten das Rückgrat der Winterversorgung. Schwarzer Winterrettich (Raphanus sativus var. niger),  Pastinaken (Pastinaca sativa), Möhren  (Daucus carota) und Rote Bete (Beta vulagaris) konnten in kühlen Kellern monatelang gelagert werden. Sie waren nahrhaft, vielseitig verwendbar und auch für Kranke leicht verdaulich, wenn man sie wie Pastinke oder Möhre zu Brei verkochte.

geschwungen Zier-Trennlinie zwischen zwei Textbloecken

🌱 Lust auf noch mehr grünes Wissen? Auf meinem Kräuterblog erwarten dich viele weitere spannende Pflanzenthemen zum Entdecken.

🌼 Zum Thema Klostergarten findest du auf meinem Blog noch mehr über die Geschichte des Klostergartens und seine Aufgaben. Weitere Pflanzen aus den Bereichen Symbol- und Marienpflanzen, Färbe- und Faserpflanzen sowie wichtige Obstgehölze findest du in diesem Beitrag.

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