Der Klostergarten und seine Heilkräuter – Teil 2

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026 | Grundlagen, Heilkräuter

Im dritten und letzten Teil der kleinen Serie über den Klostergarten dreht sich nun alles um dessen pflanzliche Bewohner. Der Anbau der Pflanzen erfolgte nicht willkürlich, sondern folgte den Anforderungen des Klosterlebens. Maßgeblich war ihr konkreter Nutzen als:

  • Nahrungsmittel, 
  • Heilpflanze, 
  • für liturgische Zwecke oder 
  • zur Unterstützung des Alltags

Über lange Zeiträume bildete sich ein vergleichsweise stabiler Bestand bewährter Arten heraus, der in vielen Klöstern ähnliche Strukturen aufwies. Die Pflanzenwahl verdeutlicht die enge Verbindung von Gartenbau, Gesundheitspflege und klösterlicher Lebensführung. Eine kleine Auswahl soll hier nun im Folgenden vorgestellt werden. In diesem Beitrag geht es um Nutz- und Symbolpflanzen für den klösterlichen Alltag, während in Teil 1 der Fokus auf den Heil- und Nahrungspflanzen lag,

Obstbäume und Beerensträucher

Äpfel (Malus sp.) waren das wichtigste Obst in Klostergärten. Die Mönche kultivierten zahlreiche Sorten für unterschiedliche Zwecke – Tafeläpfel zum frischen Verzehr waren im Mittelalter fast unbekannt, Kochäpfel für Kompott und Mus, Mostäpfel für die Herstellung von Apfelwein dagegen sehr beliebt. Der Apfelbaum selbst hatte symbolische Bedeutung und wurde manchmal im Zentrum des Kreuzgartens gepflanzt.

Speierling (Sorbus domestica) ist ein aus dem Mittelmeer stammendes, wärmeliebendes Obstgehölz. Die Früchte wurden zur Verbesserung des noch sehr sauren Apfelweins eingesetzt, außerdem wurden sie zu Mus oder Marmelade verarbeitet. Sie galten als Heilmittel bei Durchfall, Ruhr und Erbrechen. Das wertvolle Holz gilt als das schwerste, heimische Holz. 

Quitten (Cydonia oblonga) waren wegen ihres intensiven Duftes und ihrer heilenden Wirkung geschätzt. Der Quittenschleim half bei Hals- und Magenbeschwerden. Quittengelee war nicht nur eine Delikatesse, sondern auch ein Heilmittel. Die goldgelben Früchte wurden als Symbol der Fruchtbarkeit und des Paradieses gedeutet.

Johannisbeeren (Ribes sp.) und Stachelbeeren (Ribes uva-crispa) lieferten frische Vitamine im Sommer. Man aß sie frisch, verarbeitete sie zu Saft oder trocknete sie. Johannisbeersaft galt als fiebersenkend und wurde Kranken gereicht. Die Blätter verwendete man für Tees bei Rheuma und Gicht.

Holunder (Sambucus nigra) war der Hausbaum vieler Klöster. Aus den Blüten bereitete man schweißtreibenden Tee bei Erkältungen zu, aus den Beeren kochte man Saft und Mus. Jeder Teil des Holunders fand Verwendung: Die Rinde diente als Abführmittel, die Blätter für Salben, selbst das Mark der Zweige hatte praktische Verwendung als Docht oder als Zunder.

Färbe- und Faserpflanzen – für Stoffe und Schrift 

Färberwaid (Isatis tinctoria) lieferte den begehrten blauen Farbstoff für Textilien. Der arbeitsintensive Herstellungsprozess machte ihn zu einer wirtschaftlich bedeutenden Kulturpflanze, an deren Anbau auch Klöster beteiligt waren. Neben der Stofffärbung wurde die Farbe auch zur Tintenherstellung genutzt. Ferner war er ein Heilmittel für Hautkrankheiten und Atemwegserkrankungen.

Färberkrapp (Rubia tinctorum) lieferte aus seinen Wurzeln verschiedene Rottöne. Diese Farbe war besonders lichtecht und wurde für liturgische Gewänder geschätzt. Die Ernte der Wurzeln war mühsam, da die Pflanze drei Jahre wachsen musste, bevor sie genügend Farbstoff enthielt. Krapplack wurde in der mittelalterlichen Buchmalerei genutzt. Medizinisch wurde er bei Nieren- und Blasensteinen, Gicht, Rachitis und Blutarmut eingesetzt. Dies ist heute wegen der krebserregenden Inhaltsstoffe jedoch obsolet.

Goldrute (Solidago virgaurea) und Schafgarbe (Achillea millefolium) lieferten gelbe Farbtöne, die sowohl für Stoffe als auch für die Buchmalerei verwendet wurden. Die Mönche in den Skriptorien schätzten diese pflanzlichen Pigmente, um ihre kostbaren Manuskripte zu illustrieren. Daneben wurde die Goldrute als Wundkraut und bei Nierenleiden eingesetzt, während die Schafgarbe als blutstillendes Wundheilkraut, aber auch bei Verdauungsproblemen sehr geschätzt war.

Lein (Linum usitatissimum), auch als Flachs bekannt, wurde ebenfalls in Klostergärten angebaut. Er lieferte die Fasern für Leinen und wurde deshalb in der Regel außerhalb des Klosters auf großen Flächen angebaut. Er war aber auch ein wertvolles Heilmittel. Leinsamen wurden bei Husten, Brustschmerzen, Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Symbol- und Marienpflanzen

Akelei (Aquilegia vulgaris) mit ihren eigentümlich geformten Blüten symbolisierten die Gaben des Heiligen Geistes. Die geschwungenen Sporne der Blütenblätter wurden als Tauben gedeutet. Sie gehört zu den sog. Marienpflanzen und beinhaltet die heilige Zahlen 3, 5, 7 in ihrem Erscheinungsbild. Medizinisch wurde sie bei Hauterkrankungen und Ausschlägen eingesetzt, dies ist heute nicht mehr geboten.. 

Eisenkraut (Verbena officinalis) galt als heilige, dämonenabwehrende Pflanze und Allheilmittel. Es wurde bei Leberleiden, zur Wundheilung und als Stärkungsmittel verwendet. Es galt als starkes Schutzmittel gegen das Böse und wurde zur Reinigung von Altären und als Räucherwerk für friedliche Stimmung eingesetzt.

Lavendel (Lavandula angustifolia) war der Duft der Reinheit. Er wurde zwischen die Wäsche gelegt, um Ungeziefer fernzuhalten. Seine blaue Farbe gilt als Farbe der Gottesmutter Maria. Er symbolisiert daher in der religiösen Kunst deren Reinheit und Unschuld. In der Klostermedizin nutzte man ihn gegen Läuse, zur Reinigung von Wunden, bei Magenproblemen und zur Beruhigung. 

Lilien (Lilium ssp.) waren die Blumen der Reinheit und der Jungfrau Maria. Die reinweiße Madonnen-Lilie (Lilium candidum) durfte in keinem Klostergarten fehlen. Sie steht als Symbol für Reinheit, Jungfräulichkeit, Unschuld und königliche Würde Mariens. In Verkündigungsdarstellungen wird sie häufig von einem Engel getragen. Sie hatte auch medizinische Bedeutung: Die zerriebenen Zwiebeln halfen bei Geschwüren und Entzündungen.

Rosen (Rosa sp.) hatten eine besondere symbolische Bedeutung. Die Rose verkörperte die Muttergottes und durfte in keinem Klostergarten fehlen. Sie gilt als Königin der Blumen und steht für Maria als Himmelskönigin, für Liebe und Barmherzigkeit. Die Rose mit Dornen steht für das Leiden der Schmerzhaften Mutter.Aus den Blütenblättern stellte man Rosenwasser her, das in der Liturgie verwendet wurde. Rosenöl diente als Grundlage für Hautsalben, und getrocknete Rosenblätter parfümierten Räume und Wäsche. Die Hagebutten lieferten im Winter wertvolles Vitamin C.

Heilpflanzen wie Beifuß (Artemisia vulgaris), Wacholder (Juniperus communis) und Engelwurz (Angelica archangelica) wurden auch zu rituellen, medizinischen und praktischen Zwecken geräuchert. Kräuterrauch diente der Reinigung von Luft in Hospizen, der Abwehr von Krankheiten und bösen Geistern (Ausräuchern), dem Weihen von Räumen sowie der Konservierung von Lebensmitteln in Räucherkammern.

Die Kunst der Kombination

Die Weisheit der Klostergärtner lag nicht nur in der Kenntnis einzelner Pflanzen, sondern auch in deren geschickter Kombination. Die Mönche und Nonnen wussten, dass manche Pflanzen einander im Beet fördern: Kohl und Sellerie wuchsen beispielsweise gut zusammen, Möhren und Zwiebeln hielten einander Schädlinge vom Leib. Auf Grundlage langjähriger Beobachtungen entstanden Anbaukombinationen, die Ertragssicherheit und Pflanzengesundheit förderten und teilweise bis heute Anwendung finden.

Auch bei der Zubereitung von Heilmitteln kombinierten sie verschiedene Pflanzen, um ihre Wirkung zu verstärken oder zu harmonisieren. Die Rezepte wurden innerhalb des Klosters weitergegeben, so enthielten Hustentees Kräuter wie Andorn, Thymian, Spitzwegerich oder Süßholz in perfektem Mischungsverhältnis.

Bewahrung alter Sorten 

Viele der in Klostergärten kultivierten Pflanzensorten sind heute selten geworden, kaum noch bekannt oder ganz verschwunden. Moderne Klostergärten leisten wichtige Arbeit bei der Erhaltung dieser genetischen Vielfalt. Sie bauen alte Gemüsesorten an, bewahren historische Heilpflanzen und kultivieren fast vergessene Kräuter.

Moderne Klostergärten übernehmen damit eine wichtige Funktion bei der Erhaltung pflanzengenetischer Vielfalt. Der Wert dieser Bestände liegt sowohl in ihrer historischen Bedeutung als auch in ihren oft robusten Eigenschaften. Sie sind ein Schatz, den es zu bewahren gilt.

Wenn wir heute Kamillentee trinken, Lavendel zwischen die Wäsche legen oder eine Rose im Garten pflanzen, führen wir also eine jahrhundertealte Tradition fort.

geschwungen Zier-Trennlinie zwischen zwei Textbloecken

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🌼 Zum Thema Klostergarten findest du auf meinem Blog noch mehr über die Geschichte des Klostergartens und seine Aufgaben. Weitere Pflanzen aus den Bereichen Nahrungsmittel und Kräuterapotheke findest du in diesem Beitrag.

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