Das 4. Jahreszeitenfest – Sommer-Sonnenwende, Litha und Johanni
Das Jahr ist nun vorangeschritten und der Sommer steht an. Die Sommersonnenwende ist der offizielle Start des kalendarischen Sommers.
Das Lebensgefühl zu dieser Zeit ist von Leichtigkeit und Freude gekennzeichnet. Lange Tage und kurze, warme Nächte fördern dieses Lebensgefühl. Auch unsere Vorfahren schätzten und ehrten diese Zeit besonders. So fällt eines der großen Sonnenfeste auch in diesen Zeitraum.
Die Sommer-Sonnenwende ist – anders als die Mondfeste – kein beweglicher Termin. Sie ist ein astronomischer Zeitpunkt und fällt auf der Nordhalbkugel auf den 20. oder 21. Juni. 2026 beispielsweise findet sie am 21. Juni statt.
In neuheidnischen bzw. keltisch inspirierten Traditionen wird zur Sommersonnenwende Litha gefeiert – ein Sonnenfest und das 4. Fest im Jahreskreis.
Ganz in der Nähe liegt der Johannistag am 24. Juni, er ist ein festes Datum im Kirchenjahr.
Drei Ereignisse, die einen gemeinsamen Ursprung haben. Was verbindet diese drei?
Graphische Darstellung der Jahreszeitenfeste als Kreis, im Fokus steht Litha.
Die Sommer-Sonnenwende – kosmischer Höhepunkt
Astronomisch betrachtet erreicht die Sonne zur Sonnenwende ihre maximale nördliche Deklination und damit für die nördliche Halbkugel den höchsten Stand am Himmel. Sie markiert den längsten Tag des Jahres und damit den Höhepunkt des Lichts und der Helligkeit.
Für unsere Vorfahren bedeutete das:
- die Tage waren am längsten.
- die Felder standen in voller Kraft.
- das Heu wurde eingebracht.
- die erste Ernte rückte näher.
Damit markiert dieser Tag Freude und Fülle, aber auch den Wendepunkt. Ab da werden die Tage wieder kürzer und wir bewegen uns nun, erst in klitzekleinen Schritten, dann immer spürbarer, auf die dunkle Jahreszeit zu. Mit der Winter-Sonnenwende um den 20. Dezember geht es dann wieder in das Licht und die Helligkeit. Im Moment der Fülle steckt also auch der Beginn des Abschieds von Licht. Dies war ein zutiefst symbolischer Moment für unsere Vorfahren. Doch noch sind die nächsten Wochen von Lebensfreude und Energie geprägt.
Insbesondere im Norden Europas wird dieser Zeitpunkt auch als Mittsommer bezeichnet. Mein Bild des Mittsommers wurde sehr durch Astrid Lindgren geprägt. In ihrem Kinderbuch Wir Kinder aus Bullerbü beschreibt sie das Gemeinschaftsfest, bei dem man sich mit Blumenkränzen geschmückt zum Tanz um einen geschmückten Baum trifft. Feiern mit Familie und Freunden und ein Lagerfeuer inklusive.
Es ist die Zeit der sog. weißen Nächte, da es im Norden Europas nicht mehr dunkel wird, sondern die Tage endlos erscheinen.
Mittsommerkranz aus Schweden mit Wildblumen, via Canva
Litha – das Fest keltischen Ursprungs
Die Zeitqualität der Sonnenwende beeinflusst auch die (neuheidnischen) Traditionen. Hier wird die Sommersonnenwende als Litha gefeiert. Der Begriff taucht bereits im 8. Jahrhundert auf. Ob es tatsächlich ein eigenständiges keltisches Sonnenwendfest dieses Namens gab, ist historisch nicht eindeutig belegt.
Historiker weisen darauf hin, dass viele heutige keltische Feste Rekonstruktionen des 19. und 20. Jahrhunderts sind. Leider gibt es nur sehr wenige gesicherte Überlieferungen. Unabhängig von der Quellenlage ist jedoch klar: Sonnwendrituale selbst sind in Europa seit Jahrhunderten belegt. Sie treffen die Symbolik dieser Zeitqualität und führen sie wieder in unser Bewusstsein.
Bei den traditionellen Feierlichkeiten muss auch ein bedeutendes Monument, Stonehenge, erwähnt werden. Viele Mythen ranken sich um dieses Bauwerk, aber nur wenig ist tatsächlich bewiesen. Faszinierend ist aber, dass das Megalithdenkmal auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist, was auf astronomische Kenntnisse der Erbauer hinweist. Man vermutet, dass es als Kultort für die Sonnenanbetung erbaut wurde. Jedes Jahr treffen sich daher die Menschen dort, um den Aufgang der Sonne zu feiern. Jenseits des ganzen Trubels ist es für viele Menschen nach wie vor ein magischer Ort.
Johanni – christliche Umdeutung eines Sonnenfestes
Am Johannistag, dem 24. Juni, feiert die Kirche die Geburt Johannes’ des Täufers. Dieses kirchliche Fest steht in engem Zusammenhang mit der Sommer-Sonnenwende. Bereits im 5. Jahrhundert wurde sein Fest auf diesen Tag gelegt, um den christlichen Glauben mit den bestehenden, heidnisch geprägten Sonnenwendfeiern zu verbinden.
Johannes der Täufer wird als Prophet und Vorläufer Jesu verehrt. Er erhielt seinen Beinamen, da er zur Abkehr vom heidnischen Glauben aufgerufen hat und viele Menschen im Jordan taufte. Sein biblischer Leitspruch Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen spiegelt sich im Sonnenlauf und den nun kürzer werdenden Tagen wider. Die Geburt Johannes des Täufers wird genau sechs Monate vor Weihnachten (Geburt Jesu) gefeiert. Er steht für die Sommer-Sonnenwende, ab der die Tage kürzer werden, während Jesus für die Winter-Sonnenwende und das zunehmende Licht steht.
Viele der alten Bräuche flossen in das Johannisfest mit ein:
- Johannisfeuer werden insbesondere in ländlichen Gemeinden entzündet
- Kräuter gelten als besonders heilkräftig, nicht umsonst taucht der Name Johannes in einigen Pflanzen auf. Sie werden teilweise gesegnet, um ihre Heilkraft zu verstärken
- Es ist in ländlichen Gebieten nach wie vor ein wichtiges Fest zur Stärkung der Gemeinschaft.
Johannisfeuer, via Canva
Feuer – das verbindende Element
Feuer ist das zentrale Symbol, das alle drei Ereignisse verbindet.
- Zur Sonnenwende wurden auf Hügeln große Feuer entzündet.
- Bei Litha symbolisieren sie die höchste Kraft der Sonne.
- Zu Johanni werden vielerorts noch heute Johannisfeuer entfacht.
Feuer steht für Schutz vor Unwettern, Reinigung, Fruchtbarkeit und Stärkung der Sonnenkraft. Es greift, wie bei vielen Jahreskreisfesten, die lebensnotwendige Bedeutung von Licht und Wärme auf.
Viele Bräuche nehmen diese Symbolik und Zeitqualität wieder auf:
- Das Überspringen der Glut sollte Gesundheit, Fruchtbarkeit und Glück bringen. Häufig sind Frauen mit einem Kranz aus Beifuß und/oder anderen Kräutern, die Fruchtbarkeit und Gesundheit geben sollen, gegürtet.
- Brennende Holzscheiben, die ins Tal gerollt wurden, symbolisierten den Lauf der Sonne. Dieses Motiv finden wir immer wieder, z. B. bei dem Jahreszeitenfest Imbolc.
- Es gibt eine Vielzahl an Bauernregeln und es war und ist für die Landwirtschaft ein wichtiger Lostag. Johanni markiert unter anderem das Ende der Spargel- und Rhabarberzeit.
- Der 24. Juni ist der Zeitpunkt, der den Übergang von der Wachstumszeit zur Erntezeit einläutet.
- Kräuter sammeln – da Kräuter jetzt als besonders heilkräftig gelten, werden diese für die Hausapotheke um die Sonnenwende herum gesammelt. Eine kleine Liste findest du etwas weiter unten im Text. Ferner wurden Kräuter zu Kränzen und auch Gürteln geflochten und bei den Sonnwendfeierlichkeiten getragen.
Bis Johanni nicht vergessen,
sieben Wochen Spargel essen!
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
| Sonnenwende |
| Astronomisches Ereignis |
| Kosmischer Höhepunkt |
| Beginn der kürzer werdenden Tage |
| Feuer- und Kräuterbräuche |
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Litha |
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Neuheidnische Deutung |
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Sonnenkraft & Fruchtbarkeit |
|
Ritualisierte Naturverehrung |
|
Feuer- und Schutzrituale |
| Johanni |
|
Christliches Fest
|
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Geburt Johannes
|
| Theologische Einbettung |
| Johannisfeuer & Johanniskräuter |
Im Kern feiern alle drei Varianten das Licht, die Fülle und die Fruchtbarkeit. Letztlich ist, trotz unterschiedlicher Ausgangslage, der Ursprung aller drei Ereignisse der gleiche – nämlich die Bedeutung der Sonne als Lebensspenderin.
Typische Johanniskräuter
Wenn das Licht seinen Höhepunkt erreicht, stehen viele Heilpflanzen in voller Blüte und strotzen nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. Ein idealer Zeitpunkt, um einen Vorrat für das Jahr anzulegen.
Besonders bekannt ist das Johanniskraut (Hypericum perforatum), das um den Johannistag herum blüht. Es galt als Licht- und Schutzpflanze und soll laut der Legende aus dem Blut des Heiligen entsprungen sein. Kleine Öldrüsen in Blättern und Blüten enthalten das wertvolle Hypericin, das dann als Ölauszug, dem sog. Rotöl, heilkundlich genutzt wird. Sichtbar wird es in Form der roten Farbe in den Knospen und Blättern, die beim Zerreiben frei wird. Hypericin gilt in der Anthroposophie als stofflich gewordenes Licht, das den schwermütigen, niedergeschlagenen Menschen wieder durchstrahlen kann.
Beifuß (Artemisia vulgaris)
Heilwirkung: verdauungsfördernd, krampflösend, menstruationsregulierend
Brauchtum: Räucherpflanze zur Reinigung, wird als Gürtel getragen zum Schutz auf Reisen, ins Sonnwendfeuer geworfen, Sonnwendgürtel
Schafgarbe (Achillea millefolium)
Heilwirkung: blutstillend, wundheilend, krampflösend, verdauungsfördernd, bei Frauenleiden
Brauchtum: Orakelpflanze für Liebesangelegenheiten, Schutz vor Hexen, wird in Sonnwendkränze gebunden
Eisenkraut (Verbena officinalis)
Heilwirkung: entzündungshemmend, schmerzlindernd, bei Kopfschmerzen und Erschöpfung
Brauchtum: alte Ritualpflanze der Druiden, starke Zauberkraft, Schutz und Reinigung
Kamille (Matricaria chamomilla)
Heilwirkung: entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend, bei Magen-Darm-Beschwerden
Brauchtum: Reinigungspflanze, wird in Sonnwendkränze eingeflochten
Königskerze (Verbascum spp.)
Heilwirkung: schleimlösend, hustenstillend, bei Atemwegserkrankungen
Brauchtum: Wetterkerze, Schutz vor Unwetter, wird als Fackel im Sonnwendfeuer angezündet
Thymian (Thymus spp.)
Heilwirkung: antibakteriell, schleimlösend, bei Husten und Bronchitis
Brauchtum: Räucherpflanze, Schutz vor negativen Energien, Mutpflanze
Ringelblume (Calendula officinalis)
Heilwirkung: wundheilend, entzündungshemmend, hautpflegend
Brauchtum: Sonnenpflanze, Symbol für Lebenskraft, Liebeszauber
Arnika (Arnica montana)
Heilwirkung: entzündungshemmend, schmerzlindernd, bei Prellungen, Verstauchungen und Blutergüssen
Brauchtum: Schutz- und Zauberpflanze, wird in Sonnwendkränze eingebunden, schützt vor Blitzschlag
Rezept für Rotöl
Rotöl, via Canva
Frische Johanniskrautblüten (blühende Triebspitzen)
200 ml Pflanzenöl (Olivenöl, Mandelöl), Bioqualität
- Die Blüten leicht anwelken lassen (1–2 Stunden), damit überschüssige Feuchtigkeit verdunstet. Nicht waschen, da Wasser Schimmelbildung fördern kann.
- Die Blüten in ein passendes, sauberes, durchsichtiges Glas geben, es soll nicht zu viel Luft im Glas nach oben sein. Mit dem Öl übergießen, bis alle Blüten vollständig bedeckt sind.
- Das verschlossene Glas an einem sonnigen Fensterplatz 3–6 Wochen stehen lassen. Regelmäßigt schütteln. Das Öl färbt sich allmählich leuchtend rot.
- Nach der Ziehzeit das Öl durch ein feines Sieb oder Mulltuch abseihen und die Blüten gut ausdrücken.
- In dunkle Flaschen abfüllen.
Kühl und dunkel gelagert ca. 1 Jahr haltbar. Äußerlich bei Hautirritationen, Sonnenbrand, Verbrennungen, Muskel- und Nervenschmerzen.
Vorsicht, Johanniskraut kann in seltenen Fällen die Lichtempfindlichkeit steigern.
Was machst du dieses Jahr zur Sommer-Sonnenwende? Kannst du an einem Fest teilnehmen oder wirst du Kräuter sammeln für den Wintervorrat?
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