Heilpflanzen verstehen | Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung

Zuletzt aktualisiert am 08.10.2026 | Grundlagen

Immer wieder liest du bei mir auf dem Blog, aber auch in vielen anderen Beiträgen und Büchern, etwas über Pflanzen- oder Inhaltsstoffe in Heilpflanzen. Da stellt sich dir dann die Frage: Warum wirken Heilpflanzen eigentlich? Und was wirkt wie im Körper?

Jede Pflanze ist ein kleines chemisches Laboratorium und besteht aus einer Vielzahl an Inhaltsstoffen. Man unterscheidet primäre und sekundäre Inhaltsstoffe. Zu den primären zählen Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette und Chlorophyll. Sie liefern der Pflanze lebenswichtige Bausteine für Wachstum und Energiegewinnung. Ihnen widme ich noch einen eigenen Beitrag, der Link folgt dann hier.

Und dann gibt es noch die sekundären Inhaltsstoffe, eine riesige Stoffgruppe mit über 100.000 bekannten Bestandteilen, die der Pflanze beispielsweise als Schutz vor Fressfeinden, Krankheitserregern, Umwelteinflüssen wie starker Sonneneinstrahlung und zum Anlocken von Bestäubern dienen.

In diesem Blogbeitrag geht es um sieben wichtige Stoffgruppen daraus, die in vielen Pflanzen vorkommen. Die Einteilung in die Stoffgruppen stammt aus der modernen Pharmazie. Das Wichtigste vorweg: Heilpflanzen bestehen nie aus einem einzelnen Stoff. Jede Heilpflanze stellt ein Stoffgemisch dar, das in seiner Komplexität noch gar nicht vollständig erforscht ist.

Die verschiedenen Inhaltsstoffe wirken häufig zusammen, sodass die Pflanze als Ganzes wirksamer oder bekömmlicher sein kann als ein isolierter Einzelstoff.

Bitterstoffe (Amara)

Erkennbar an
bitterem Geschmack
Wirkt
verdauungsfördernd, regt Speichel und Magensaft an
Zubereitung
Aufguss, Tinktur
Typisch für
Enzian, Löwenzahn, Wermut

Bitterstoffe sind keine einheitliche chemische Stoffklasse, sondern eine sensorische Sammelkategorie. Sie schmecken, wie es der Name schon sagt, bitter.

Sie aktivieren die Bitterrezeptoren am Zungengrund und regen dadurch die Speichel- und Magensaftsekretion sowie die Darmbewegung an. Damit wird auch das wichtigste Einsatzgebiet deutlich: Bitterstoffpflanzen werden wegen ihrer positiven Wirkung auf die Verdauung geschätzt.

Gelber Enzian und die chemische Formel seines Hauptbitterstoffs Amarogentin
1. Gelber Enzian und die chemische Strukturformel seines Hauptbitterstoffs Amarogentin

 In der Pflanzenheilkunde nennt man sie auch Amara. Je nach Zusammensetzung und Geschmack unterscheidet man:

  • Amara pura – reine Bittermittel
  • Amara aromatica – mit ätherischem Öl
  • Amara acria – mit Scharfstoffen
  • Amara mucilaginosa – mit Schleimstoffen
  • Amara adstringentia – mit Gerbstoffen

Klassische Bitterstoffpflanzen

Gelber Enzian
Gentiana lutea · Wurzel
Löwenzahn
Taraxacum officinale · Wurzel, Kraut
Schafgarbe
Achillea millefolium · Kraut
Tausendgüldenkraut
Centaurium erythraea · Kraut
Wermut
Artemisia absinthium · Kraut

So bereitest du sie zu

Bitterstoffe sind überwiegend wasser- und alkohollöslich. Zum Ausziehen eignen sich deshalb sowohl ein kurzer Aufguss als auch eine Tinktur. Auch der klassische Kräuterbitter nach dem Essen beruht auf diesem Prinzip.

Aus der Kräuterkiste

Gemäß der antiken Humoralpathologie hatte der bittere Geschmack die Qualitäten warm und trocken. Bittere Arzneipflanzen sollten die vier Körpersäfte – Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle – ins Gleichgewicht bringen. Sie förderten den Gallenfluss, leiteten überschüssige, erhitzte Säfte ab und glichen kalte, feuchte Zustände aus.

Ätherische Öle (Aetherolea)

Erkennbar an
Duft
Wirkt
je nach Öl u. a. antimikrobiell, entspannend, belebend
Zubereitung
Aufguss (abgedeckt), Tinktur, fettes Öl, Destillation
Typisch für
Kamille, Lavendel, Pfefferminze
Vorsicht
Reine ätherische Öle nicht unverdünnt anwenden und nicht ohne fachliche Begleitung einnehmen. Viele sind für Babys und Kleinkinder ungeeignet, manche sogar gefährlich.

Ätherische Öle sind leicht flüchtige, stark duftende Stoffgemische, die aus verschiedenen Einzelstoffen, vor allem aus Monoterpenen und Sesquiterpenen, bestehen. Anders als die meisten anderen Stoffgruppen hier werden sie häufig aus der Pflanze gewonnen und als eigenständiges Mittel verwendet, eben als ätherisches Öl. Gewonnen werden sie größtenteils durch Wasserdampfdestillation.

Sie sehen zwar ölig aus, verdampfen aber an der Luft weitgehend rückstandsfrei. Fette Pflanzenöle dagegen hinterlassen einen dauerhaften Fettfleck auf dem Untergrund. Ätherische Öle sind meistens leicht entzündlich.

Auf der linken Bildhälfte ist ein Lavendelfeld, auf der rechten Seite ein Kupfer-Alambik.
2. Lavendelfeld und kupferner Destillierapparat (Alambik)

Mit den destillierten Ölen arbeitet ein eigener Zweig der Heilkunde, die Aromatherapie. Sie wirken über den Geruchssinn auf das Gehirn und direkt über die Haut. Ihr Wirkungsspektrum ist sehr breit; sie können u. a. antimikrobiell, entspannend, belebend oder schmerzlindernd wirken. Reine ätherische Öle nimmst du nicht ohne fachliche Begleitung ein, nur als Bestandteil der Pflanze, etwa im Pfefferminztee.

Typische Pflanzen mit ätherischen Ölen

Echte Kamille
Matricaria chamomilla · Blüten
Echter Lavendel
Lavandula angustifolia · Blüten
Echter Thymian
Thymus vulgaris · Kraut
Kardamom
Elettaria cardamomum · Samen
Pfefferminze
Mentha × piperita · Blätter

So bereitest du sie zu

Ätherische Öle sind flüchtig. Decke deinen Tee deshalb beim Ziehen ab, damit sie nicht entweichen. Alkohol und fette Öle sind gute Auszugsmittel.

Reine ätherische Öle sind Konzentrate. Unverdünnt reizen sie häufig Haut und Schleimhäute und werden deshalb stark verdünnt angewendet, z. B. in einem Massageöl. Viele ätherische Öle sind für Babys und Kleinkinder ungeeignet, manche sogar gefährlich!

Aus der Kräuterkiste

Die Verfeinerung der Destillation wird häufig dem persischen Gelehrten Avicenna (980–1037) zugeschrieben. Über die Kreuzzüge und die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische gelangte dieses Wissen nach Europa. Dort wurde die Destillation ab dem 12. Jahrhundert u. a. in der Klostermedizin weiterentwickelt.

Gerbstoffe (Tannine)

Erkennbar an
pelzigem Gefühl auf der Zunge
Wirkt
zusammenziehend, entzündungslindernd, keimhemmend
Zubereitung
Aufguss, Abkochung, Tinktur
Typisch für
Blutwurz, Eiche, Frauenmantel

Gerbstoffe sind Pflanzenstoffe, die eine zusammenziehende und eiweißfällende Wirkung besitzen. Sie kommen in verschiedenen Pflanzenteilen wie Rinde, Blättern, Früchten und Wurzeln vor. Je nach Typ unterscheidet man:

  • Gallotannine
  • Ellagitannine
  • Catechingerbstoffe
  • Labiatengerbstoffe – sie kommen in vielen Lippenblütlern (Labiaten) vor, daher der Name. Sie gelten als besonders verträglich.

Auf der Zunge hinterlassen sie häufig ein pelziges Gefühl. Sie vernetzen Eiweiße fest miteinander, sie gerben sie gewissermaßen. Dadurch haben sie auf Haut und Schleimhäuten eine schützende, zusammenziehende Wirkung. In der Heilkunde nutzt man diese Eigenschaft gezielt, um Entzündungen zu lindern, Absonderungen zu verringern, Wundflächen abzudichten und das Wachstum von Keimen zu hemmen.

Eiche, Eichenrinde und gegerbtes Leder
3. Eiche, Eichenrinde und gegerbtes Leder

Klassische Gerbstoffpflanzen

Blutwurz
Potentilla erecta · Rhizom
Eiche
Quercus robur · Rinde
Frauenmantel
Alchemilla vulgaris · Kraut
Heidelbeere
Vaccinium myrtillus · getrocknete Beeren
Zaubernuss
Hamamelis virginiana · Blätter, Rinde

So bereitest du sie zu

Gerbstoffe lösen sich gut in heißem Wasser und in Alkohol; kaltes Wasser zieht sie deutlich schwächer aus. Für harte Drogen wie Rinden und Wurzeln ist die Abkochung die klassische Zubereitung. Tinkturen funktionieren ebenfalls gut. Für harte Pflanzenteile brauchen sie aber oft einen höheren Alkoholgehalt als für krautige.

Droge meint hier übrigens keinen Rauschstoff. Es ist der pharmazeutische Fachbegriff für meist getrocknete, unverarbeitete ganze oder zerkleinerte Pflanzenteile, Algen, Pilze oder Flechten sowie bestimmte Ausscheidungen wie Harze. So verwendet ihn auch das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.).

Aus der Kräuterkiste

Der Name Gerbstoff stammt aus der Lederherstellung: Bereits im alten Ägypten und im Römischen Reich wurden tanninreiche Pflanzenteile zur Ledergerbung genutzt, weil sie die Hautproteine dauerhaft vernetzen und haltbar machen – derselbe Mechanismus, der in der Heilkunde genutzt wird.

Schleimstoffe (Mucilaginosa)

Erkennbar an
schleimiger Konsistenz
Wirkt
reizlindernd, schützt und befeuchtet Schleimhäute
Zubereitung
Kaltauszug (häufig bevorzugt) oder Heißauszug
Typisch für
Eibisch, Malve, Spitzwegerich

Schleimstoffe sind wasserlösliche Polysaccharide (Mehrfachzucker), die in Wasser aufquellen und ein Gel bilden. Dieser Gelfilm legt sich schützend auf gereizte Schleimhäute, etwa in Rachen, Speiseröhre und Magen, und befeuchtet diese. Damit wird die Reizschwelle von Husten- und Schmerzrezeptoren angehoben. Der Darm profitiert ebenfalls von den stuhlregulierenden und schützenden Eigenschaften.

Typisch ist die schleimig-glitschige Konsistenz beim Kauen oder beim Ansetzen in Wasser. Geschmacklich sind sie meist neutral bis leicht süßlich.

Einzelne zartrosa Blüte des Echten Eibisch in Nahaufnahme, daneben die Süßigkeit Marshmallow, ursprünglich aus Eibisch gemacht
4. Blüte des Echten Eibischs und Marshmallows, die ursprünglich aus Eibisch hergestellt wurden

Klassische Schleimstoffpflanzen

Echter Eibisch
Althaea officinalis · Wurzel
Isländisch Moos
Cetraria islandica · Flechte
Königskerze
Verbascum densiflorum · Blüten
Lein
Linum usitatissimum · Samen
Spitzwegerich
Plantago lanceolata · Blätter
Wilde Malve
Malva sylvestris · Blüten, Blätter

So bereitest du sie zu

Anders als in älteren Büchern oft zu lesen ist, werden Schleimstoffe durch Hitze nicht automatisch zerstört. Entscheidend ist aber, welche Schleimdroge ausgezogen werden soll. Bei manchen Wurzeln, etwa beim Eibisch, sorgt heißes Wasser dafür, dass die Stärke an der Oberfläche verkleistert. Das hindert die Schleimstoffe daran, ins Wasser überzugehen. Hier eignet sich ein Kaltauszug besser.

Alkohol ist für Schleimstoffe generell ungeeignet, er lässt die Polysaccharide ausflocken, sodass sie nicht in Lösung gehen. Bei Leinsamen oder Haferflocken hingegen hilft Hitze, die Schleimstoffe aus den Pflanzenzellen zu lösen und im Wasser zu binden.

Aus der Kräuterkiste

Eibisch und Malve wurden bereits von Hippokrates (um 460–370 v. Chr.) und Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) für ihre reizlindernde, entzündungshemmende Wirkung bei Husten, Magen-Darm-Beschwerden und Hautproblemen beschrieben. Im Mittelalter galt die Malve als Omnimorbia (Allheilmittel) der armen Leute und war fester Bestandteil der Klostergärten.

Saponine

Erkennbar an
Schaum beim Schütteln in Wasser
Wirkt
auswurffördernd, leicht entzündungshemmend
Zubereitung
Kalt- oder Heißauszug, Tinktur
Typisch für
Efeu, Schlüsselblume, Süßholz
Vorsicht
Efeu und Rosskastanie nur als Fertigpräparat einnehmen

Saponine sind seifenähnliche Pflanzenstoffe, die in Wasser schäumen und meist einen bitteren Geschmack haben. Man unterscheidet Triterpensaponine (in heimischen Pflanzen die weitaus häufigere Gruppe) und Steroidsaponine (in der heimischen Flora selten, etwa im Schabzigerklee enthalten).

Im Körper können sie cholesterinsenkend, leicht entzündungshemmend, immunmodulierend sowie antimikrobiell wirken. Am besten untersucht ist die auswurffördernde Wirkung wie etwa beim Efeu.

Nahaufnahme Blüte Seifenkraut sowie ein mittelalterlicher Waschplatz auf Sizilien

 

5. Blüte des Seifenkrauts und mittelalterlicher Waschplatz auf Sizilien

Klassische Saponinpflanzen

Echtes Seifenkraut
Saponaria officinalis · Wurzel, Kraut
Efeu
Hedera helix · Blätter
Rosskastanie
Aesculus hippocastanum · Samen
Schlüsselblume
Primula veris · Wurzel
Süßholz
Glycyrrhiza glabra · Wurzel

So bereitest du sie zu

Saponinhaltige Drogen sind durch ihren Zuckeranteil gut wasserlöslich und lassen sich als Kalt- oder Heißauszug zubereiten. Alkoholische Auszüge in Form von Tinkturen sind ebenfalls möglich.

Dabei ist Vorsicht geboten; nicht jede Pflanze kann bedenkenlos so zubereitet werden. Rosskastanien und Efeublätter sind aufgrund des hohen Saponingehalts giftig und müssen für die Einnahme entsprechend aufbereitet werden. Äußerlich sind sie jedoch anwendbar.

Aus der Kräuterkiste

Seifenkraut (Saponaria officinalis) wurde bereits in der Antike als Waschmittel genutzt, seit dem Mittelalter auch als Heilpflanze. Noch heute werden empfindliche Textilien mit Seifenkraut schonend gereinigt. Der Name leitet sich vom lateinischen sapo, Seife, ab.

Flavonoide

Erkennbar an
kräftigen Farben von Blüten und Früchten
Wirkt
antioxidativ, entzündungshemmend
Zubereitung
je nach Bindung Aufguss oder Tinktur/Öl
Typisch für
Holunder, Weißdorn, Heidelbeere

Flavonoide gehören zu den am häufigsten vorkommenden Pflanzenstoffen und zählen chemisch gesehen zur großen Gruppe der Polyphenole. Untergruppen sind Flavonole, Flavone, Flavanone, Anthocyane und Isoflavonoide. Häufige Flavonoide sind Rutin, Quercetin oder Luteolin.

Sie verleihen vielen Blüten und Früchten ihre kräftigen Farben und schützen die Pflanze u. a. vor UV-Strahlung. Einen eigenen Geruch haben sie nicht. Sie sind Antioxidantien, wirken u. a. entzündungshemmend und können das Herz-Kreislauf-System unterstützen.

Färber-Waupflanze, daneben mit ihr gefärbte Wollstränge in verschiedenen Gelbtönen
6. Färber-Wau und mit ihm gelb gefärbte Wollstränge

Typische Flavonoidpflanzen

Heidelbeere
Vaccinium myrtillus · Früchte
Brombeere
Rubus fruticosus · Früchte
Weinrebe
Vitis vinifera · blaue Trauben
Echte Kamille
Matricaria chamomilla · Blüten
Ginkgo
Ginkgo biloba · Blätter
Mariendistel
Silybum marianum · Früchte
Rotklee
Trifolium pratense · Blüten
Schwarzer Holunder
Sambucus nigra · Blüten, Früchte
Teestrauch
Camellia sinensis · Blätter
Weißdorn
Crataegus monogyna/C. laevigata · Blätter mit Blüten

So bereitest du sie zu

Die Löslichkeit der Flavonoide hängt stark von ihrer chemischen Struktur ab. Sind sie an Zuckermoleküle gebunden (sogenannte Glykoside), lösen sie sich gut in Wasser und lassen sich damit als Tee ausziehen. So etwa bei Kamille, Holunder oder dem Teestrauch.

Liegen sie ohne diese Zuckerverbindung vor, sind sie fettlöslich und benötigen Öl oder Alkohol als Auszugsmittel. Dies ist beispielsweise bei der Mariendistel der Fall.

Aus der Kräuterkiste

In den 1930er-Jahren rückten die Flavonoide in den Blick der Medizin. Der ungarische Nobelpreisträger Albert Szent-Györgyi entdeckte eine neue Substanz und nannte sie zunächst Vitamin P für Permeabilitätsfaktor. Später stellte sich heraus, dass Flavonoide keine Vitamine sind. Der Körper ist nicht zwingend auf sie angewiesen, sie gelten aber als gesundheitsfördernd.

Alkaloide

Erkennbar an
oft extrem bitter, aber nicht eindeutig erkennbar
Wirkt
auf das Nervensystem, oft giftig
Zubereitung
keine Selbstzubereitung
Typisch für
Tollkirsche, Schlafmohn, Kaffeestrauch
Vorsicht
Alkaloidpflanzen gehören in fachkundige Hände und sind für die Selbstbehandlung nicht geeignet.

Alkaloide sind hochwirksame Stickstoffverbindungen, die die Pflanze vor allem zu ihrem Schutz produziert. Bekannte Vertreter sind Koffein, Atropin, Nikotin, Chinin, Solanin, Pyrrolizidinalkaloide und Morphin.

Sie schmecken extrem bitter, wirken mitunter betäubend. Im Körper wirken sie vor allem auf das Nervensystem. Alkaloidreiche Pflanzenteile sind häufig stark giftig und werden oft von Tieren gemieden. Sie docken an Nervenrezeptoren an, ahmen Botenstoffe nach und aktivieren oder blockieren die Reizweiterleitung der Nerven, insbesondere von Auge, Herz, Bronchien und Darm.

Früchte am Kaffestrauch, geöffnete Frucht mit weißem Samen und eine Tasse Kaffee mit den gerösteten braunen Kaffeebohnen
7. Kaffeestrauch mit Früchten, geöffnete Frucht mit Samen und eine Tasse Kaffee mit gerösteten Bohnen

Typische Alkaloidpflanzen

Schlafmohn
Papaver somniferum · Milchsaft, Kapsel · giftig
Schöllkraut
Chelidonium majus · Kraut · leicht giftig
Schwarzes Bilsenkraut
Hyoscyamus niger · Kraut · hochgiftig
Tollkirsche
Atropa belladonna · ganze Pflanze · giftig

Auch Kaffeestrauch (Coffea ssp., Samen) und Teepflanze (Camellia sinensis, Blätter) enthalten das Alkaloid Koffein. Das Koffein im grünen oder schwarzen Tee wird häufig Teein genannt. Die Kartoffel (Solanum tuberosum, Knolle) enthält das Alkaloid Solanin, vor allem in Keimen, grünen Stellen und der Schale.

So bereitest du sie zu

Aufgrund der Giftigkeit ist die Löslichkeit der Alkaloide eher theoretischer Natur. Anwendungen bleiben standardisierten, ärztlich oder pharmazeutisch begleiteten Zubereitungen vorbehalten. In Kaffee und Tee sind die Alkaloidmengen so gering, dass sie für die meisten Menschen unbedenklich sind; die Verträglichkeit ist aber individuell verschieden.

Aus der Kräuterkiste

Alkaloidpflanzen wie Tollkirsche und Bilsenkraut gelten als typische Hexenpflanzen. Sie waren aufgrund ihrer halluzinogenen Wirkung Bestandteil der geheimnisvollen Hexen- und Flugsalben.

Übersichtstabelle Stoffgruppen und Zubereitung

Wenn du weißt, welche Stoffgruppe eine Pflanze prägt, weißt du auch, wie du sie am besten zubereitest.

Stoffgruppe Erkennbar an Typische Wirkung Geeignete Zubereitung
Bitterstoffe bitterer Geschmack speichel- und magensaftanregend, verdauungsfördernd Aufguss, Tinktur
Ätherische Öle Duft je nach Öl u. a. antimikrobiell, entspannend, belebend Aufguss (abgedeckt), Tinktur, fettes Öl, Destillation
Gerbstoffe pelziges Gefühl auf der Zunge zusammenziehend, entzündungslindernd, keimhemmend Aufguss, Abkochung, Tinktur
Schleimstoffe schleimige Konsistenz reizlindernd, schützen und befeuchten Schleimhäute Kaltauszug (häufig bevorzugt) oder Heißauszug
Saponine schäumen im Wasser auswurffördernd, leicht entzündungshemmend Kalt- oder Heißauszug, Tinktur
Flavonoide viele Farben von Blüten und Früchten antioxidativ, entzündungshemmend je nach Bindung Aufguss oder Tinktur/Öl
Alkaloide nicht erkennbar wirken auf das Nervensystem, oft giftig keine Selbstzubereitung

Fazit

Pflanzen enthalten also immer ein Stoffgemisch. In manchen ist jedoch ein Inhaltsstoff besonders dominant oder für die Heilwirkung prägend. Solche Pflanzen werden dann beispielsweise als Gerbstoffdroge (z. B. Blutwurz) oder Ätherisch-Öl-Droge (z. B. Lavendel) bezeichnet.

Unsere Vorfahren kannten diese Einteilung nicht, dank genauer Beobachtung beobachteten sie dennoch viele Wirkungen. Diese wurden durch die moderne Pharmakologie in vielen Fällen bestätigt. Und in manchen Fällen mussten Heilzuschreibungen auch revidiert werden. Allerdings besteht hier noch ein großes Forschungsfeld, denn viele Wirkungen und Wechselwirkungen dieser Inhaltsstoffe sind noch nicht erforscht.

Dies war natürlich nur ein grober Überblick über einige sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung. Es gäbe noch so viel dazu zu schreiben, aber es wird auch sehr schnell sehr chemisch. Für ein besseres Pflanzenverständnis reicht diese erste Übersicht jedoch.

 

 

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Bildnachweis

Bild 1: Strukturformel Amarogentin via pubchem.ncbi.nlm.nih.gov
Bild 3: Alle Bilder via Canva
Bild 4: Marshmallows via Canva
Bild 5: Waschplatz via Canva
Bild 6: Gefärbte Wolle mit KI generiert
Bild 7: Kaffeetasse via Canva
Restliche Fotos: eigene

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Hej, ich bin Karin

Ich möchte dich hier mit meiner Leidenschaft für Heilpflanzen anstecken und dir viele bunte Infos zu meinem Lieblingsthema geben.

Viel Spaß beim Lesen!

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