Blumenuhr und Wetterorakel

Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026 | Grundlagen

Wenn du an eine Blumenuhr denkst, was fällt dir als Erstes ein? Ein Beet in einem Park, wo große Zeiger in einem wunderschön angelegten Blumenbeet die Uhrzeit anzeigen? Oder gibt es da noch etwas anderes? Und können Pflanzen uns das Wetter zumindest für die nächsten Stunden vorhersagen? In diesem Blogbeitrag findest du einige Antworten.

Blüten als Zeitanzeiger – Blumenuhr

Im Rahmen ihrer (über-)lebensnotwendigen Naturbeobachtungen lernten unsere Vorfahren, am Zeitpunkt des Aufblühens vieler Pflanzen die Uhr- bzw. genauere Tageszeit abzulesen. Pflanzen folgen ihrem eigenen, inneren Rhythmus. Sie öffnen und schließen ihre Blüten in der Regel zu bestimmten Tages- bzw. Uhrzeiten. Dieses Verhalten hängt jedoch auch von den jeweiligen Wetterbedingungen ab. Droht etwa Regen, lassen viele Pflanzen ihre Blüten geschlossen. So ließ sich nicht nur die Zeit bestimmen, was damals für die Menschen wichtig war, da meist nur die Kirchturmglocke regelmäßig die Stunde verkündete. Sondern man konnte auch recht zuverlässig voraussagen, wie sich das Wetter in den kommenden Stunden entwickeln würde. Dazu mehr im letzten Teil des Blogbeitrages.

Carl von Linné, ein bedeutender schwedischer Naturforscher, der im 18. Jh. lebte, entwickelte aus diesen Beobachtungen die Blumenuhr. Hierbei handelt es sich um eine chronobiologische Blumenuhr: Die Uhrzeit wird anhand des Zeitpunkts, wann sich die Blüte bestimmter Arten öffnet oder schließt, ermittelt. Seitens der Natur macht dieser unterschiedliche Rhythmus der einzelnen Arten sehr wohl Sinn. Würden alle gleichzeitig ihre Blüten öffnen, wären nicht genug bestäubende Insekten, die ebenfalls ihren Biorhythmus haben, verfügbar. So gibt es weniger Konkurrenz um Bestäuber und Blüten. Für Nachteulen wie die Nachtkerze hat die Natur ebenfalls vorgesorgt. Sie wird beispielsweise von nachtaktiven Schwärmern, einer Schmetterlingsart, bestäubt. Somit ist der Tisch für die futtersuchenden Bestäuber immer gedeckt, gleichzeitig ist eine umfassende Bestäubung der Blüten gesichert. Aber Vorsicht – nach Bienenbesuch, a. k. a. Bestäubung, schließen sich manche Blüten auch früher! Es braucht daher schon eine gute Beobachtungsgabe, um die Uhrzeit zu bestimmen.

Pflanzen und ihre Aufblühzeiten (MEZ)

Die ursprünglich von Linné beschriebenen Pflanzen seiner Blumenuhr bezogen sich auf seine schwedische Heimat, die bereits wieder in einer anderen Klima- und Zeitzone liegt. Auch die moderne Sommerzeit gab es damals noch nicht, und so muss ggf. der Tagesblühbeginn angepasst werden.

Bei einigen Pflanzen ist zusätzlich der Zeitraum der Blühdauer während des Tages angegeben, sodass man am Schließen der Blüten ebenfalls die Zeit erkennen kann.

Funfact am Rande: Es ist unwahrscheinlich, dass Linné die Uhr bis auf 5 Minuten genau aus dem Fenster gelesen hat. Dies ist eher eine Anekdote und nicht wissenschaftlich belegt.

5 Uhr

  • Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Kürbis (Cucurbita spp.)

6 Uhr

  • Zaunwinde (Calystegia sepium)
  • Klatschmohn (Papaver rhoeas)

7 Uhr

  • Huflattich (Tussilago farfara)
  • Seerose (Nymphaea spp.)
  • Ringelblume (Calendula off.)

8 Uhr

  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
  • Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)

9 Uhr

  • Enzian (Gentiana spp.)
  • Leinkraut (Linaria vulgaris)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis

10 Uhr

  • Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella)
  • Acker-Schuppenmiere (Spergularia rubra)

11 Uhr

  • Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus)
  • Mittagsblume (Delosperma spp.)

18 Uhr

  • Nachtkerze (Oenothera biennis)
  • Engelstrompete (Brugmansia spp.)

21 Uhr

  • Levkoje (Matthiola longipetala)

22 Uhr

  • Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus)

Wie wird eine Blumenuhr angepflanzt?

Man kann natürlich die Blumen in seiner Umgebung beobachten und davon die Zeit ableiten. Carl von Linnés Aufzeichnungen faszinierten die Menschen und sie wollten diese nachbauen. Dies ist jedoch gar nicht so einfach, wie es in der Theorie klingt. Dass alle Pflanzen die perfekten Bedingungen haben, um über den ganzen Tag zuverlässig die Uhrzeit anzuzeigen, ist eher selten. Die Blumenuhr, wie Linné sie entwarf, ist also ein eher theoretisches Konstrukt, das die Naturbeobachtungen unserer Vorfahren aufgreift. Heute gibt es einige Nachbauten bzw. Adaptionen von Linnés ursprünglichen Aufzeichnungen.

Die meisten im 19. Jh. gepflanzten Blumenuhren waren daher eher dekorativer Art. Diese werden auch als Gartenbau-Blumenuhren bezeichnet. Sie haben nichts mit Linnés chronobiologischen Beobachtungen zu tun. Mit Blumen wird ein Ziffernblatt dargestellt. Die Uhrzeit wird von einer mechanischen Uhr mit Zeigern angezeigt. Die Pflanzen und ihre Blüte haben in der Regel keinen Bezug zur Uhrzeit. Man benötigt viel Platz, um eine Blumenuhr zu pflanzen, daher findet man sie überwiegend in Parks und botanischen Gärten.

Für eine chronobiologische Uhr nach Linné geht man im Prinzip genauso vor. Ein kreisrundes Beet wird für das Ziffernblatt vorbereitet. Dies wird in 12 gleich große Segmente aufgeteilt. Beginnend in dem Segment oben für 12–13 Uhr wird eine Pflanze eingesetzt, die um diese Zeit ihre Blüten öffnet (oder schließt). Aus obiger Pflanzenliste wäre das etwa die Taglilie. Und so geht man weiter im Uhrzeigersinn. Es gibt heute auch Pflanzpläne, bei denen das halbe Ziffernblatt reserviert ist für die sich öffnenden Blüten und die andere Hälfte für die sich schließenden Blüten. 

Letztendlich findet man aus o. g. Gründen aber eher Pflanzpläne als reale Blumenuhren nach Linné. Allerdings kann man sich auch etwas spielen und z. B. im Garten ein kleines Beet mit den Pflanzen anlegen und dort den Öffnungs- und Schließrhythmus der Blüten beobachten. Auch wenn man die Uhrzeit nicht minutengenau ablesen kann, kann man so viel über den Rhythmus der Natur lernen.

Blumenuhr in Edinburgh

Stefan Schäfer, Lich, FloralClockEdinburgh2014, CC BY-SA 4.0

Wetterorakel

Wie schon erwähnt, ist es jedoch etwas tricky, wenn man die Uhrzeit ablesen will. Unsere Vorfahren, auf deren Wissen diese Erkenntnisse basieren, wussten noch mehr. Denn die obigen Zeiten beziehen sich auf Tage mit schönem Wetter.

Wenn etwa die Ringelblume um 9 Uhr noch immer nicht die Blüten geöffnet hat, ist sie keine Langschläferin. Sie ist eine bekannte Wetterpflanze – sie reagiert auf Wetteränderungen, insbesondere Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall, mit dem Öffnen und Schließen ihrer Blüten. Dieses Verhalten beruht nicht auf einer bewussten Wahrnehmung, sondern auf pflanzenphysiologischen Prozessen. Vor Regen steigt die Luftfeuchtigkeit deutlich an, während der Luftdruck fällt. Dabei kann zunächst noch die Sonne scheinen. Die Blütenblätter der Ringelblume reagieren darauf, indem sie sich zusammenrollen oder schließen, um die empfindlichen Fortpflanzungsorgane in der Blüte (Staub- und Fruchtblätter) vor Feuchtigkeit zu schützen. Öffnet die Ringelblume also ihre Blüten nicht oder schließt sie bereits früher, naht Regen. Dies hat eine erstaunlich hohe Trefferquote. Ein weiterer Punkt sind die Lichtverhältnisse – bewölkt es sich beispielsweise, reduziert sich das UV- und sichtbare Licht, was ebenfalls ein Signal für die Pflanze ist. Sie interpretiert dies als möglichen Wetterumschwung. Die Blüte schließt sich teilweise oder ganz.

Auch die Silberdistel, im Volksmund auch Wetterdistel genannt, gilt als zuverlässiger Wetterfrosch. Sind die Blüten trotz Sonnenschein nicht geöffnet, naht Regen. Im Gebirge, wo sie beheimatet ist, ist es daher hilfreich, auch auf diese Hinweise zu achten, da ein plötzlicher Wetterumschwung oft heftig ausfällt.

Die Königskerze, auch Wetterkerze genannt, ist ebenfalls ein Wetteranzeiger. Neigt sich der Blütenstängel nach Osten, bleibt es sonnig. Und sind die Blüten schon am Morgen weit geöffnet, hat man gute Chancen auf einen trockenen Tag. Aber auch langfristige Wettervorhersagen waren mit ihr möglich. Je höher die Königskerze im Sommer wächst, desto härter soll der Winter werden. Wird sie 2 m oder höher, droht ein strenger Winter. Dazu passt auch die Bauernregel, die sich aus dem Erfahrungsschatz und der phänologischen Betrachtung der Pflanzen entwickelt hat.

Wächst die Königskerze hoch empor, bringt der Winter Schnee hervor.

Bist du neugierig geworden, ob das auch wirklich klappt? Es gibt noch eine Menge weiterer Pflanzen, die uns Wettertendenzen anzeigen.

Aus der Beobachtung der Natur kann man also eine Menge an Informationen erhalten, sei es, wie spät es gerade ist, oder ob ein Wetterwechsel naht. Vielleicht möchtest du dir ein kleines Natur-Tagebuch anlegen und dort deine Beobachtungen festhalten. So bekommst du mit der Zeit ein immer besseres Gefühl für deine Umwelt.

Welche Pflanze wann mit dem Blühen beginnt und somit charakteristisch für eine (neue) Jahreszeit ist, kannst du im Beitrag zur Phänologie nachlesen. Trage dies auch in dein Natur-Tagebuch ein und du wirst eine kleine Dokumentation für dich anlegen können, wie der Blühbeginn und damit auch die Jahreszeiten im Laufe der Jahre variieren.

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